Am Abend des 30. Juli sind die derzeit 5 Bewohnerinnen unseres "safe houses" im Stadtteil "Faisaltown" in Islamabad nur knapp einer Abschiebung nach Afghanistan entgangen. Durch die Intervention des wohlgesonnenen Vermieters bei der Polizeiführung konnte erwirkt werden, dass der Abschiebetrupp wieder abzog. Um zu vermeiden, dass es kurz danach zu einem weiteren Abschiebeversuch kommt, sind die Frauen heute in eine andere Wohnung in einen anderen Stadtteil umgezogen. Diese Wohnung ist allerdings deutlich teurer als die Wohnung in Faisaltown und wird in den nächsten zwei bis drei Wochen zusätzliche Kosten von ca. 1.000 Euro verursachen.
Laut Medienberichten hat der pakistanische Staat seit Ende 2023 über 2,5 Millionen afghanische Staatsbürger:innen in das von den Taliban regierte Land abgeschoben. Diese Abschiebungen wurden Anfang Juli 2026 erneut intensiviert. Kein:e afghanische Staatsbürger:in kann sich in Pakistan sicher sein, auch nicht Personen, die sich im Visumverfahren bei Vertretungen anderer Staaten befinden.
Von den fünf Frauen in unserer Wohnung hat eine bereits das Ausbildungsvisum erhalten. Sie wartet auf ihre Schwester, die seit über einem Monat von der Deutschen Botschaft mit der Anforderung, ein polizeiliches Führungszeugnis von afghanischen Behörden beizubringen, hingehalten wird. Zwei weitere Bewohner:innen könnten ebenfalls längst in Deutschland sein, aber sie haben von der Landesagentur für Fachkräftezuwanderung keine Vorabzustimmung zu Erteilung des Visums erhalten. Der Termin zur Vorsprache bei der Botschaft hätte schon im April sein können, ist aber erst im Oktober, weil sich der Ablauf nicht am sog. beschleunigten Fachkräfteverfahren orientiert. So besteht weiter die Gefahr der willkürlichen Gewalt und Abschiebung nach Afghanistan. Die fünfte Bewohnerin, ebenfalls eine Frauenrechtsaktivistin, ist noch nicht im Visumverfahren, musste aber vor ca. 3 Monaten aus Afghanistan fliehen, weil die Gefahren für sie dort zu groß waren.
Jeden Monat unterstützt unser Verein derzeit etwa 20 Familien und Einzelpersonen mit monatlich ca. 3.000 Euro für Kosten für das Überleben (Essen, Wohnraum, Gesundheit etc.). Zusätzlich übernehmen Privatleute Kosten für Visa, Fahrten und alle Bedarfe rund um die Ausbildungsvisa, die nicht über den Verein finanziert werden können. Hierfür sind wir allen bisherigen Spender:innen sehr dankbar. Die momentan noch vorhandenen Spendengelder reichen aktuell aber nur noch maximal drei Monate. Auch wegen diesem aktuellen Abschiebeversuch bitten wir um weitere Spenden, damit wir unsere Unterstützung auch weiterhin durchhalten können. Hier geht es zu allen weiteren Informationen und auch zum Spendenportal: https://menschen-rechte-tue.org/de/projekte/save-our-future
29.06.2026, Arab News: Pakistan orders arrest of Afghans without valid visas from July 10
07.07.2026, tolo news: Afghan Migrants in Pakistan Report Continued Arrests
10.07.2026, Amu TV: Over 66,000 Afghan migrants expelled from Pakistan in one month
10.07.2026, Afghanistan International: Pakistan To Deport 20,000 Afghan Migrants From Peshawar
Abschiebe-Pickup der pakistanischen Polizei, fotografiert am Internationalen Tag der Menschenrechte in Islamabad, 10.12.2025. Foto: privat