Pressemitteilung und Dossier: 5 Jahre Taliban-Herrschaft in Afghanistan - Deutschland muss die Kollaboration mit dem islamistischen Regime beenden!
Persönliches Statement Sherin Gul Ansari: 15. August - Fünf Jahre Taliban-Regime in Afghanistan
Persönliches Statement Idrees Ahmadzai: Fünf Jahre Taliban-Herrschaft: Verletzung der Menschenrechte darf nicht normalisiert werden
Pressemitteilung zum 15.8.2026

Aus Anlass des 5. Jahrestags der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan fordern wir wie zahlreiche andere Organisationen aus dem Bereich Menschenrechte, Flüchtlingsschutz und Entwicklungszusammenarbeit die Bundesregierung auf, die „Normalisierung“ des Taliban-Regimes zu beenden und zu einer Politik der Menschenrechte und des Völkerrechts zurückzukehren.
„Es ist ein fataler Widerspruch, wenn der Islamismus einerseits zu Recht als Gefahr für Freiheit, Sicherheit und Menschenrechte bekämpft wird, andererseits aber eine „make friends“-Politik mit den Taliban betrieben wird“ sagt Andreas Linder, Geschäftsführer des Vereins. „Aus niedrigen migrationspolitischen Motiven will die Bundesregierung möglichst viele Menschen nach Afghanistan abschieben, sogar zu dem Preis der Übernahme von Botschaft und Konsulaten in Deutschland durch Taliban-Vertreter. Stattdessen fordern wir, dass den Menschen, die vor dem Taliban-Regime fliehen müssen, durch humanitäre Aufnahmeprogramme und ein faires Asylverfahren wieder ein angemessener Schutz geboten wird.“ Der Verein fordert konkret:
1. Das international zu Recht nicht anerkannte Taliban-Regime darf von Deutschland nicht anerkannt werden, auch nicht „technisch“ durch Kontakte für Abschiebungen oder indirekt durch Hereinlassen von Botschaftsbeamten.
2. Der Zugang von Vertretern des Taliban-Regimes zur afghanischen Botschaft und den Konsulaten in Deutschland muss beendet werden und die hereingelassenen „Beamten“ müssen wieder ausgewiesen werden
3. Afghanische Asylsuchende brauchen ein faires und unvoreingenommenes Asylverfahren in Deutschland. Die politisch motivierte standardmäßige Ablehnung der Asylanträge afghanischer Männer seit 2025 trägt zur indirekten Anerkennung des Taliban-Regimes bei.
4. Die quasi-religiöse Anforderung deutscher Behörden zur Beschaffung eines afghanischen Reisepasses durch Vorsprache bei den afghanischen Vertretungen in Deutschland (jetzt von Taliban geführt) für die Beantragung oder Verlängerung von Aufenthaltserlaubnissen oder bei Einbürgerungsanträgen, muss unterlassen werden, mindestens bei Personen, deren Identität durch sonstige Dokumente eindeutig geklärt ist. Die Erfüllung der „Mitwirkungspflichten“ durch Vorsprachen bei Taliban-Vertretungen muss als „unzumutbar“ eingestuft werden.
5. Abschiebungen in ein von Islamisten regiertes Land, die vom internationalen Strafgerichtshof wegen Terror und Menschenrechtsverletzungen angeklagt sind, sind menschen- und völkerrechtswidrig und müssen unterlassen werden. Auch „Straftäter“ sollen ihre Strafen dort absitzen, wo sie sie begangen haben und keine Zusatzstrafe durch die Gefahr willkürlicher Bestrafung oder Menschenrechtsverletzungen durch die Taliban erhalten. Statt Abschiebungen auszuweiten muss es einen generellen Abschiebestopp nach Afghanistan geben.
6. Der Familiennachzug zu anerkannten Flüchtlingen darf nicht weiter völlig ausgesetzt oder zeitlich bis zum St. Nimmerleinstag verzögert werden, sondern muss wieder aufgenommen und beschleunigt werden. Das Recht auf Familie muss mehr wert sein als das Papier auf dem es geschrieben steht.
7. Legale Möglichkeiten der Schutzgewährung durch eine humanitäre Aufnahme von Personen mit Schutzbedarf muss wieder zugelassen werden. Personen und Familien, die aufgrund ihrer Gefährdung in Afghanistan von der Ampel-Regierung eine Aufnahmezusage erhalten haben und immer noch in Pakistan mit Widerrufsverfahren hingehalten werden, dürfen nicht der Gefahr der Abschiebung nach Afghanistan ausgesetzt werden, sondern sollen endlich das Aufnahmevisum erhalten. Die Würde dieser Menschen darf nicht weiter mit Füßen getreten werden.
8. Die legale Einwanderung zum Zweck von Bildung, Arbeit oder Ausbildung für qualifizierte Personen („Fachkräfteeinwanderung“), insbesondere Frauen, muss erleichtert und beschleunigt werden. Der Erhalt eines (Ausbildungs-)Visums darf nicht von der Vorlage eines von Taliban-Behörden ausgestellten „Führungszeugnisses“ abhängig gemacht werden.
9. Kein Mensch flieht freiwillig - wer weniger Flüchtlinge möchte, sollte eine Politik betreiben, die die Ursachen von Flucht bekämpft anstatt die Flüchtlinge. Die Taliban zu „normalisieren“ ist ein Push-Faktor zur Erhöhung der Zahl von Flüchtlingen und ist wie Gift für jegliche Entwicklung für ein friedliches, freies, demokratisches und lebenswertes Afghanistan.
Mehrere deutsche und afghanische Mitglieder des Vereins werden am 15. August an einer großen Protestaktion unter dem Motto "Solidarity for the women and girls of Afghanistan - for Justice, Dignity, Equality & Freedom" am UNO-Hauptquartier in Genf teilnehmen. Neben Exil-Politiker:innen und NGO-Aktivist:innen wird bei dieser Veranstaltung unter anderem auch die in Afghanistan sehr bekannte Sängerin Ariana Saeed erwartet.
Es folgen Ausführungen und Anmerkungen zum Hintergrund unserer Forderungen, bei denen wir auch Erfahrungen unserer mehrjährigen Praxis als Beratungsstelle für Geflüchtete (Plan.B) und als Meldestelle im Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan (beendet Nov. 2024) sowie im Projekt „save our future“ einfliessen lassen (dieses Dokument wird noch nachgereicht):
Zitate:
“Afghanistan is a graveyard for human rights”(Volker Türk, UNO-Menschenrechtskommissar)
„Die zum Zweck der Abschiebung aufgenommene Kooperation mit den Taliban verharmlost dieses brutale Regime und bringt hier lebende Afghan:innen in unzumutbare Situationen.“ (PRO ASYL, 20.5.2026)
„Afghanistan ist zu einem Schauplatz einer der schwerwiegendsten Menschenrechtskrisen weltweit geworden ist, insbesondere für Frauen und Mädchen“. (Human Rights Watch, Aug. 2026)