Regelförderung durch die Stadt Tübingen – Für den Erhalt von „Plan.B“ und „save our future“
An die Fraktionen des Gemeinderats der Stadt Tübingen und andere Repräsentant:innen der Stadt Tübingen,
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit diesem Schreiben bitten wir Sie wie bereits in einem ähnlichem Brief vor einem Jahr, die unserem Verein im Jahr 2023 zugesprochene Regelförderung von 31.575 Euro (Stand 2025) pro Jahr beizubehalten.
In der in den Gemeinderat eingebrachten Anlage zur Vorlage 804-2025 schlägt die Verwaltung vor, die Regelförderung für unseren Verein um 15.000 Euro zu kürzen. Hierbei stellen wir fest, dass wir als einzige im Bereich Gleichstellung und Integration tätige Organisation gekürzt werden sollen. Dies lässt für uns angesichts der niedrigen Höhe des Zuschusses nur den Schluss zu, dass die Verwaltung uns und unsere Leistungen für ungewollt oder verzichtbar zu halten scheint.
Wir möchten deswegen an dieser Stelle in die Waagschale werfen, dass unser sehr aktiver Verein für die seit Jahren erbrachten Leistungen einen viel höheren Regelförderungsbedarf hätte und eine Kürzung im geplanten Umfang unsere Existenz bedroht.
Bisher haben wir die Mittel aus der Regelförderung ausschließlich für unsere Aktivitäten im Projekt „Plan.B“ verwendet. Allein in diesem Projekt wird viel mehr geleistet als bezahlt werden kann. Bereits für diese Arbeit sind die Mittel aus der Regelförderung unzureichend. Plan.B war im Jahr 2025 in mehr denn je Einzelfällen tätig (670), davon waren etwa ein Drittel neue Beratungsanfragen (203). Etwa die Hälfte der Klient:innen wohnt in der Stadt Tübingen. Der Verein möchte die engagierte und
erfolgreiche Praxis fortsetzen, weiterentwickeln und im Jahr 2026 spezifische Schwerpunkte setzen wie etwa eine gezielte Unterstützung von ukrainischen Geflüchteten für Aufenthaltserlaubnisse für Arbeit oder Ausbildung oder eine engmaschige Begleitung von Frauen aus afrikanischen Ländern. Plan.B hat sich längst zu einer über den Kreis hinaus anerkannten Fachberatungsstelle entwickelt. Die Stärke des Projekts ist die unabhängige, solidarische, engmaschige und langfristige Begleitung von Geflüchteten "bis zum guten Ende". Dabei wird produktiv und häufig sehr erfolgreich auch mit den Mitarbeiter:innen des städtischen Integrationsmanagements zusammengearbeitet. Die geleistete Arbeit dient letztlich nicht nur der nachhaltigen Integration von geflüchteten Menschen, sondern ist auch nützlich für die gesamte Stadtgesellschaft.
Plan.B wird gefördert vom Landkreis Tübingen mit 40.000 Euro jährlich (zugesagt für 2026) sowie durch die UNO Flüchtlingshilfe und die Wegrand Stiftung Tübingen mit jeweils 10.000 Euro. Außerdem wird ein beträchtlicher Teil durch Eigenmittel (Spenden, Mitgliedsbeiträge) aufgebracht. In der aktuellen Förderlandschaft sind weitere Zuschüsse in diesem Tätigkeitsfeld nicht zu bekommen und von daher ist die Ansage, dass man sich halt bei irgendwelchen Stiftungen bewerben solle, leider nicht erfolgversprechend. Denn häufig werden Zuschüsse gerade von einer gegebenen Förderung durch die Kommune abhängig gemacht.
Neben Plan.B betreibt der Verein auch das Projekt „save our future“. In diesem Projekt leistet der Verein intensive Integrationsbegleitung für Menschenrechtler:innen und andere Gefährdete, die über das Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan aufgenommen wurden. Von der Unterstützung bei der einwohnerrechtlichen Anmeldung über Wohnraumsuche, Sprachkurse, Bildung sowie Arbeits- und Ausbildungsplätzen begleiten die Aktiven des Vereins diese Menschen und betätigen sich im Interesse einer Stadt, die sich vor Jahren zum „sicheren Hafen“ erklärt hat. Daneben unterstützt der Verein derzeit rund 30 gut gebildete afghanische Frauen, die in Afghanistan kein würdiges Leben und keine Zukunft haben, bei der Suche nach Ausbildungsplätzen für Fachkräftevisa. Seit 2025 erhalten diese Frauen Online-Deutschkurse. Dieses Projekt befindet sich mitten im Prozess. In den letzten Wochen ist es in sehr intensiver Zusammenarbeit mit der Kolpingschule Rottenburg gelungen, neun Ausbildungsverträge in mehreren Betrieben der Altenpflege zu erreichen. Die ersten Visa-Anträge laufen. Weitere Verträge auch in anderen Ausbildungsberufen sind geplant. Ab Mai beginnt ein Vorschalt-Sprachkurs bei Infö mit dem Ziel B1 und ab Oktober die Ausbildungen – sofern das Fachkräfteverfahren erfolgreich ist.
Auch dieses Projekt hat öffentliche Unterstützung verdient und kann nur mit der nötigen Qualität und Professionalität fortgesetzt werden, wenn es gefördert wird. Deswegen will der Verein einen Teil aus der Regelförderung auch für diese Arbeit einsetzen. Das geht aber nur, wenn die Regelförderung nicht gekürzt wird.
Mehr Informationen über unsere Aktivitäten finden Sie auf unserer Homepage https://menschen-rechte-tue.org/ sowie den Projekt-Internetseiten
https://planb.social/de und https://sof.menschen-rechte-tue.org/
Eine weitere Reduzierung von Förderungen würde uns zwingen, die Aktivitäten einzustellen oder so zu reduzieren, dass es rein ehrenamtlich leistbar ist.
Unser Verein wird in diesem Jahr 10 Jahre jung. Wir werden dieses Ereignis mit einer großen Veranstaltung rund um den Weltflüchtlingstag am 20.6. in der Panzerhalle im Französischen Viertel begehen. Dazu laden wir Sie gerne bereits jetzt ein.
Mit freundlichen Grüßen,
Jutta Baitsch Marianne Mösle Anna Mayer Andreas Linder
Vorstand Geschäftsführer
Informationen zum Projekt Plan.B - Projektkurzbeschreibung
Das Projekt „Plan.B“ unterstützt geflüchtete Menschen in Stadt und Landkreis Tübingen sowie der weiteren Region Neckar-Alb bei der Wahrnehmung ihrer Rechte im Bereich des Asyl- und Aufenthaltsrechts sowie in den Bereichen Bildung und Beschäftigung und trägt damit zur nachhaltigen Integration von Geflüchteten bei. Neben der intensiven Beratung im Asylverfahren unterstützt das Projekt insbesondere Geflüchtete, deren Asylanträge zuvor abgelehnt wurden, die aber über Bildung, Arbeit oder Ausbildung gut in die Gesellschaft integriert sind, beim Erreichen einer Bleibeperspektive. Auch in komplexen und schwierigen Einzelfällen suchen die Berater:innen im Zusammenspiel mit Kooperationspartner:innen nach guten Lösungen.
Die zentralen Zielgruppen des Projekts sind geflüchtete Menschen im Asylverfahren und nach Ablehnung des Asylantrags sowie anerkannte Geflüchtete bei weiteren aufenthaltsrechtlichen Bedarfen und im sozialen Integrationsprozess. Hinzu kommen im größer gewordenen Umfang Geflüchtete aus der Ukraine sowie über Aufnahmeprogramme in Deutschland aufgenommene Menschen.
Plan.B hat sich zu einer anerkannten Fachberatungsstelle entwickelt. Die Stärke des Projekts ist die unabhängige, solidarische, engmaschige und langfristige Begleitung von Geflüchteten "bis zum guten Ende". Plan.B war im Jahr 2025 in mehr denn je Einzelfällen tätig (670), davon waren etwa ein Drittel neue Beratungsanfragen (203). Der Trägerverein möchte die engagierte und erfolgreiche Praxis fortsetzen, weiterentwickeln und im Jahr 2026 spezifische Schwerpunkte setzen wie etwa eine gezielte Unterstützung von ukrainischen Geflüchteten für Aufenthaltserlaubnisse für Arbeit oder Ausbildung oder eine engmaschige Begleitung von afrikanischen Frauen.
Mehr Informationen / Homepage: https://planb.social/de
Informationen zum Projekt save our future im Jahr 2026 – Projektkurzbeschreibung
Das Projekt qualifiziert und fördert afghanische Frauen für eine Fachkräfteeinwanderung und begleitet und unterstützt im gesamten Prozess der Berufsausbildung und sozialen Integration in Deutschland. Frauen haben in Afghanistan keine Rechte und keine Zukunft, insbesondere wenn sie offen gegen die Geschlechterapartheid des Taliban-Regimes protestiert haben. Bereits seit einigen Jahren begleitet und unterstützt der Verein besonders gefährdete afghanische Frauen, die in Afghanistan sind oder sich in einem Nachbarland als Flüchtlinge aufhalten und die keine Zusage über ein Aufnahmeprogramm erhalten haben. 30 dieser Frauen haben im Jahr 2025 erfolgreich Deutschkurse absolviert. Im Förderzeitraum soll diese im Prozess befindliche Praxis fortgesetzt werden. Das Projekt führt weitere Deutschkurse durch, vermittelt Ausbildungsplätze, begleitet die Frauen im Visumverfahren, organisiert Wohnraum und finanzielle Absicherung und begleitet nach der Einreise bei allen Bedarfen der Integration. Im Erfolgsfall können neue Teilnehmer:innen qualifiziert werden.
Zweitens begleitet und unterstützt das Projekt Einzelpersonen und Familien, die über Anträge des Vereins im Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan (BAP) aufgenommen wurden, bei allen Schritten der Integration in Deutschland - von A wie Anmeldung bei der Meldebehörde bis Z wie Zukunftspläne. Mit den Aktivitäten erhalten die neu neuangekommenen Menschen verlässliche Ansprechpartner:innen, die ihnen bei allen Bedarfen des neuen Lebens zur Seite stehen. So werden z. B. schon länger in Deutschland lebende afghanische Frauen als Tandembegleitung für neu ankommende Frauen aktiv. Dies dient dem erleichterten Ankommen und dem gedeihlichen Zusammenleben mit Nachbarschaft und Gesellschaft. Das Projekt berät und unterstützt bei allen Bedarfen, bei denen die staatlichen Regelangebote nicht tätig werden und wirkt als Schnittstelle und Kommunikationshelfer zu den staatlichen Stellen.
Mehr Informationen / Homepage: https://sof.menschen-rechte-tue.org/
Verteiler:
AL/Grüne-Fraktion, Swantje Uhde-Sailer und Annette Schmidt
SPD-Fraktion, Florian Zarnetta
Tübinger Liste-Fraktion, Thomas Unger
CDU-Fraktion, Julia Mayer
Linke-Fraktion, Gerlinde Strasdeit
FDP-Fraktion, Anne Kreim
Fraktion, Jürgen Eichenbrenner
Klimaliste, Jana Krämer
Zur Kenntnis an:
Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, Boris Palmer
Bürgermeisterin für Soziales, Ordnung und Kultur, Dr. Gundula Schäfer-Vogel
Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte, Mihriban Sahin
Kreisverband des Paritätischen / Liga der freien Wohlfahrtspflege
Schwäbisches Tagblatt